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Kompromisse ja, aber keine faulen!

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Eröffnungsrede Parteitag CVP Aargau 11. Januar 2017

Liebe Parteifreundinnen, liebe Parteifreunde,

Gerne begrüsse ich Sie zum ersten Parteitag der CVP Aargau im Jahre 2017. Es tut mir leid, dass ich ihn gleich mit einer traurigen Mitteilung beginnen muss. Heute morgen wurde unser lieber Parteifreund, der Wettinger Anwalt, AltGrossrat und ehemalige Grossratspräsident Max Knecht zu Grabe getragen. Er ist am 28. Dezember unerwartet verstorben auf einem Spaziergang im Schneisinger Wald. In Schneisingen, im Studenland, verbrachte Max Knecht seine Jugend. Max Knecht hinterlässt eine Lücke in seiner Familie, in der Öffentlichkeit, in unserer Partei. Während Jahren hat er den Kanton und die CVP geprägt. Seine Sorge und die Anteilnahme an den Geschicken der CVP waren beeindruckend. Die Begegnungen mit ihm an unseren Anlässen, die er rege besuchte, die Gespräche, seine Inputs, seine Einschätzungen, seine Prognosen, seine aufbauende Kritik werden mir, werden der CVP Aargau fehlen. Die CVP Aargau wird Max Knecht ein ehrendes Andenken bewahren. Wir entbieten seinen Angehörigen unser Beileid. Ich bitte Sie, sich in Gedanken an Max Knecht zu erheben.

Ein reich befrachteter Parteitag liegt vor uns. Am 12. Februar kommen 3 nationale und fünf kantonale Vorlagen zur Abstimmung. Die Parolen zu den umstrittensten werden Sie heute Abend fassen. Die Parolen derjenigen Vorlagen, welche nicht auf der Traktandenliste sind, hat der Parteivorstand vorgängig diskutiert und darüber befunden. Wir stimmen darüber nicht nochmals ab. Eine Serviceleistung für Sie, liebe Parteifreunde, sonst sässen Sie morgen noch da.

Ich danke Ihnen für Ihr Erscheinen, das man gängig als zahlreich bezeichnet. Das heutige ist imposant. Das ehrt uns. Ich freue mich auf die Gespräche, auf die Begegnungen. Sie sind bereichernd. Sie sind motivierend. Für mich, für die Parteileitung, für die Fraktion, für unsere Geschäftsstelle. Ihr Interesse und Ihr Engagement für die CVP, Ihre Arbeit auf kommunaler Ebene, auf der Ebene der Bezirke machen einen grossen Teil dessen aus, was die CVP ausmacht. Deshalb haben wir heute auch erstmals ein neues Traktandum eingeführt: den CVP-Aargau-Oscar. Wir vergeben ihn neu an jedem Parteitag an eine Persönlichkeit mit besonderen Verdiensten um die CVP. Dazu später.

Der erste Parteitag im Neuen Jahr geht einher mit dem Legislaturbeginn. Gestern tagte zum ersten Mal der Grosse Rat in seiner neuen Zusammensetzung mit einer neuen CVP-Grossratsfraktion. Gerne möchte ich sie Ihnen nochmals vorstellen und ich bitte, meine Grossratskolleginnen und Grossratskollegen aufzustehen. (Namen nennen). Nochmals möchte ich ihnen allen zu ihrer Wahl gratulieren und ihnen viel Erfolg und Befriedigung wünschen in der spannenden politischen Arbeit im Dienste der Aargauischen Bevölkerung. Die Fraktion wird unter der Leitung von Peter Voser alles tun, damit die CVP-Fraktion gehört wird und unsere Arbeit auch denjenigen Stellenwert in der Öffentlichkeit erfährt, den sie verdient.

Präsenz in der Öffentlichkeit, in den Medien, bedeutet Wahlerfolg. Da müssen wir unbedingt besser werden und uns in die öffentliche Wahrnehmung drängen. Gerade da die CVP über keine eigenen Medienhäuser mehr verfügt, müssen wir uns umso mehr anstrengen, dass wir unsere Inhalte, unsere Positionen und unsere Ideen platzieren können. Man nennt das Medienarbeit und sie besteht im Wesentlichen darin, das Interesse von Journalistinnen und Journalisten zu wecken. Deshalb, weil wir eine wichtige Partei sind. Weil wir Wichtiges zu sagen haben. Und weil die Schweiz mit einer CVP, welche mehr und mehr an Kraft verliert, zu einer anderen Schweiz wird. Eine Schweiz, die das traditionelle Bewusstsein für den nationalen Zusammenhalt verliert. Eine Schweiz, die den Sinn für ihre Wurzeln verliert. Eine Schweiz mit einer kollektiven Amnesie für die Werte, die diesen Staat tragen und ihn erfolgreich gemacht haben. Im Wahlkampf 2011 haben wir das Erfolgsmodell Schweiz für uns reklamiert. Das wirtschaftliche. Das gesellschaftliche. Das politische. Die Unterstützung unserer Sachpolitik durch den Souverän gibt uns recht. Eigentlich sind viel mehr Menschen in der Schweiz CVPler ihrem Stimmverhalten nach, nur wissen sie es nicht…Wir sind die „Schweizerischste“ Partei in diesem Land. Dass wir dies auch wieder in erfolgreiche Parlamentswahlen ummünzen müssen, ist unsere Pflicht.

Wir werden lernen müssen, uns auch etwas unbequemer zu äussern. Unbequem sein. Auch wenn Kompromisse in der Tradition dieses Landes liegen und die CVP als traditionelle staatstragende Partei die Kultur des Kompromisses verinnerlicht hat, kann es nicht sein, dass wir auch bei schlechten Kompromissen mitmachen. Bei schlechten Kompromissen mitmachen heisst, man streichelt uns vielleicht übers CVP-Köpfchen, aber man nimmt uns nicht ernst. Über uns muss man stolpern. Über uns muss man nachdenken. An uns soll man sich die Zähne ausbeissen. Die Medien, aber auch die anderen Parteien. Also, nach wie vor Kompromisse, aber keine faulen mehr.

Das Paradebeispiel für einen solchen faulen Kompromiss bildet die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Was sich die FDP im Verbund mit der Linken geleistet haben, ist ein Skandal. Die CVP hat weiss Gott an vorderster Front gegen diese Masseneinwanderungsinitiative gestritten, aber ein Volksentscheid ist nun einmal ein Volksentscheid. Sich nicht einmal annährend zu bemühen, ihm nahe zu kommen, die Verfassung zu respektieren, um stattdessen vor der EU im Staube herumzukriechen, wird sich rächen. Ich glaube nicht, dass die Bürgerinnen und Bürger sich so an der Nase herumführen lassen, und ich bin froh, dass die CVP-Bundeshausfraktion bei diesen Spielchen nicht mitgemacht hat. Zwar musste die CVP Kritik einstecken in den Medien. Man hat ihr mangelnde Kompromissfähigkeit vorgeworfen. Doch ein Kompromiss darf nicht Selbstaufgabe bedeuten. (Im Übrigen ist es neu, dass wir gelobt werden für unsere Kompromissfähigkeit. Wenns den Gegnern besser dient, heisst das Wischiwaschi…) Wir haben unsere Überzeugungen und dazu stehen wir, auch wenn wir dabei im Parlament auch zu den Verlieren gehören. Im Volk kommt das anders an.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass Standhaftigkeit Erfolg bringt, beweist das Kinderbetreuungsgesetz, welches die CVP Aargau von Beginn weg unterstützt hat. Beim Kinderbetreuungsgesetz haben wir im Grossen Rat auch aufs Dach bekommen. Doch wir sind nie von unserer Position abgewichen, auch als die gesamte FDP-Fraktion wie Kegelfiguren von der mäandernden SVP-Kugel abgeschossen, umkippte. Wir haben uns weder von den extremen Positionen von links und rechts beeindrucken lassen, und haben, als es eng wurde, zusammen mit unserem Aarauer Oberstrategen Grossrat André Rotzetter mit einer Initiative Druck gemacht. UND: WIR HABEN GEWONNEN. Gegen SVP und FDP. Und gegen die gesamte Linke und den Lehrerverband mit ihrem sozialistischen Unsinn und ihrer für die Gemeinden komplett unbezahlbaren Betreuungsinititiative. Das Kinderbetreuungsgesetz, so wie es jetzt steht, c’est nous!

Unbequem werden wir auch gegenüber der Regierung sein. Zwei Departemente verwalten zwei Drittel der Kantonsfinanzen. Das Bildungsdepartement und das Departement für Gesundheit und Soziales. Beide Departementschefs gehören der SVP an. Die SVP trägt neu eine Hauptverantwortung für die Finanzen und wichtige Geschäfte in diesem Kanton. Wir werden sehr genau hinschauen, ob es die SVP nun besser macht und wir werden die Partei messen an all der Kritik, welche sie über Frau Hochuli niederprasseln liess. Es ist wichtig, dass die SVP Verantwortung übernimmt für ihr Tun, statt immer nur Missstände zu monieren ohne aufzuzeigen, wie man es besser macht. Das ist keine Polemik. Ich behaupte nicht, dass es die SVP tatsächlich besser machen könnte. Ich habe es nur nie erlebt…

Wir haben alle den Übergang von einem alten Jahr zu einem neuen hinter uns. Persönlich nimmt man sich da immer viel vor. Beispielsweise regelmässig Sport zu treiben, gesünder zu essen… Nicht mehr zu rauchen ist ein Evergreen. Doch wie das mit Vorsätzen so ist, nach zwei Monaten sind sie im wörtlichen Sinne verraucht. Als Parteipräsidentin kann ich mir solches nicht leisten. Das werde ich gemessen an meinen Vorsätzen und Versprechungen. Die sind nun einmal öffentlich.

Also:

Erstens: Im letzten Jahr haben wir gesagt, wir wollen die Nachfolge von Roland Brogli sicher stellen. Das haben wir erreicht!

Zweitens: Wir haben gesagt, wir wollen einen tollen, einen engagierten Wahlkampf führen. Auch das haben wir erreicht. Wir hatten mit neun vollen Listen und 130 Kandidierenden so viele Kandidierende wie noch nie und es war eine grosse Aufbruchstimmung zu spüren.

Drittens: Wir haben zwar keinen Zahl genannt für die neue Grossratsfraktion, doch es ist klar, dass wir keine Sitze verlieren wollten. Wir haben zwei Sitze eingebüsst. Das ist schmerzhaft, doch angesichts dessen, dass uns Verluste bis zu 4% vorausgesagt wurden, glauben wir, dass wir mit einem Verlust von 1,1 Prozent den freien Fall, den die CVP im Aargau leider seit Jahren hat, stark bremsen konnten. Das ist unserem grossen gemeinsamen Engagement zu verdanken. Wir spüren Rückenwind, werden ihn nutzen und bereits jetzt schon gleisen wir gemeinsam mit Fraktion und Parteileitung thematisch und inhaltlich den Wahlkampf 2019 auf, sowie den Wahlkampf 2023. Wir schaffen die Trendwende. Das sind wir der CVP schuldig. Der grossen gemeinsamen Christdemokratischen Schweizerischen Idee. Der Europäischen Gründungsidee. Wir schaffen es mit viel Arbeit. (Denn beten allein, hilft auch uns erwiesenermassen nicht mehr weiter, zumindest auf eine momentan nicht messbare Weise… Nur, meine lieben Parteifreundinnen und Parteifreunde: lasst euch trotzdem nicht vom Beten für die CVP abhalten. Denn es schadet nicht, wenn man es zusätzlich tut… Ora et labora!

Nach dem nationalen Wahljahr 2015, dem kantonalen 2016 folgt mit dem Jahr 2017 schon wieder ein Wahljahr. Die kommunalen Wahlen. Wir können uns also nicht ausruhen. Der Fokus für das Jahr 2017 liegt bei den Gemeinden und bei den Ortsparteien. Wir wollen möglichst viele Menschen dazu motivieren, auf der kommunalen Ebene Behördenarbeit zu leisten. Es ist die wichtigste, die tragendste Ebene in unserem Staat. Ein Staat, der von unten aufgebaut ist, auf seinen Fundamenten, und vom Subsidiaritätsprinzip lebt. Ein Prinzip, das die CVP verinnerlicht hat. Sich in unserem Milizsystem am politischen Prozess zu beteiligen, erachte ich als eine der spannendsten Herausforderungen, denen sich der einzelne Bürger stellen kann und als eine der lehrreichsten Erfahrungen, die er sich leisten sollte. Gerade für junge Menschen. Sie gewinnen Führungskompetenzen, Einblick in die verschiedensten Themen. Sie lernen zu debattieren, zu argumentieren, zu verhandeln, zu verlieren, zu gewinnen. Auf ältere Menschen mit ihrer Berufs-und Lebenserfahrung ist das Gemeinwesen aber ebenso und immer mehr angewiesen. Der Präsident der Vereinigung CVP 60+ sagte einmal, für die politische Arbeit setze er mit Vorteil auf die Jungen, die hätten den Kopf für neue Ideen und mit Vorteil auf die Älteren, die hätten Zeit für neue Ideen. Die dazwischen seien von ihren Jobs oft dermassen beansprucht, dass sie kaum mehr wüssten, wo ihnen der Kopf steht. Selbstverständlich hat er das überspitzt formuliert, doch angesichts der nicht leichten Suche nach kommunalen Behördevertretern, möchte ich unseren Jungen ans Herz legen, nicht zu lange zu warten, in die Politik einzusteigen und alle Älteren möchte ich bitten, wieder in die Politik einzusteigen. Wir brauchen Sie alle in den Gemeinden. Die CVP und unser Milizsystem dankt es ihnen bei den kommunalen Wahlen im nächsten Herbst. Verstehen Sie dies nicht gerade als Befehl, aber doch als eine sehr drängende und klare Aufforderung.

So wichtig wie in einem föderalen Staatswesen, das von unten nach oben aufgebaut ist und so wichtig, wie die politische Arbeit auf kommunaler Ebene ist, so wesentlich wie Politikerinnen und Politiker in den Gemeinden die Arbeit prägen, so gilt es festzustellen, dass es sich mit der thematischen Prägung einer Partei genau umgekehrt verhält. Man kann noch so gute Parteiprogramme schreiben, noch so gute Arbeit leisten, noch so viele Lösungen anbieten, plötzlich bestimmen irgendwelche Megathemen die Wahlkampf-Agenda und den politischen Alltag. Im nationalen Wahlkampf 15 war es die Flüchtlingskrise, im NR-Wahlkampf 11 Fukushima, im NR-Wahlkampf 07 der Klimawandel. Was hat uns in der letzten Zeit am meisten beschäftigt? Der Krieg im Nahen Osten. Syrien. Die islamistischen Terrorakte. Die Migration innerhalb und nach Europa. Der amerikanische Wahlkampf und der überraschenden Sieg eines Donald Trump. Auf nationaler Ebene hat uns etwa die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative in Trab gehalten, sowie die Aufgleisung der Rentenreform 2020. Was ich damit sagen will, ist, dass sich die Themen von der internationalen, auf die nationale und dann auf die kantonale Ebene herunterbrechen lassen. Aber dass die Wahrnehmung einer Partei von der nationalen Ebene dominiert wird, ist eine Tatsache.

Das heisst nicht, dass wir in der CVP Aargau und in der CVP-Fraktion keine Legislaturplanung machen und uns um die politischen Themen, die im Aargau anstehen, nicht intensiv kümmern würden, aber ich glaube, dass wir bei der Themensetzung dies vermehrt in einem auch auf die nationale und internationale Ebene ausgerichtetet Rahmen und Kontext tun müssen.

Und welches sind diese Themen?

Sicherheit. Momentan bedrohen terroristische Organisationen mit einer religiösen fundamentalistischen islamistischen Prägung die freie Welt. Unsere Werte, unseren Rechtsstaat, die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Dem müssen wir beherzt entgegentreten. Es ist richtig, dass die CVP diese Wertedebatte gestartet hat und es hat sich auch insofern gelohnt, als dass erstmals auch aufgrund der CVP eine Arena stattfand. Es geht nicht an, dass wir in falsch verstandener Toleranz, Probleme verharmlosen und damit alle Errungenschaften, um die wir Jahrhunderte gekämpft haben, verraten. Es geht nicht an, dass sogenannte „Islamversteher“, die selber äusserst kritisch sind der eigenen Religion gegenüber, sich in Kulturrelativismus üben und flach auf dem Boden liegen vor Strömungen, die dem Mittelalter entstammen. Das müssen wir ansprechen.

Es geht auch nicht, dass man kaum mehr sagen kann, dass wir in einem christlich geprägten Land leben und dass wir Christen sind. Dass das Thema Christenverfolgung ein Tabuthema ist. Dass man im Westen konsequent darüber hinweggeht, dass die grösste Gruppe, welche weltweit wegen dem Glauben verfolgt wird, Christen sind. Hundert Millionen Menschen sind auf der Fluch. Weil sie Christen sind. Auf dem Verfolgungsindex unter den ersten zehn Ländern sind neun muslimische zu finden. Syrien ist ein Paradebeispiel und anhand der syrischen Stadt Homs lässt sich ein Blick in die Hölle tun. Von 160000 Christen sind gerade noch 1000 da. Alle anderen sind enteignet worden, ermordet, vertrieben. Als aber die CVP vor einem Jahr vorschlug, man möge doch von den 3000 Kontingenzflüchtlingen, welche Frau Sommaruga direkt aus den Kriegsgebieten ausfliegen wollte, die am meisten verfolgten, nämlich Frauen, Kinder und Christen auswählen, ging ein Geschrei durch das Land, als hätten wir einen neuen Kreuzzug starten wollen. Man dürfe Menschen nicht aufgrund einer Religion besonders behandeln. Dies, obwohl im Asylgesetz steht, Verfolgung aufgrund der Religion sei ein Asylgrund. Und dies trotz der Tatsche, dass wir Menschen anderer Religionen ja gar nicht abweisen. Auf sieben muslimische Flüchtlinge in der Schweiz kommt ein christlicher. Wo ist da die Bevorzugung? Es ist Zeit, dass wir darüber reden. Die CVP hat die Pflicht dazu.

Es geht nicht an, dass unsere Polizei unter Personalmangel leidet und dass sich niemand darum kümmert, wenn ausgerechnet die Polizei, welche uns vor Gewalt schützen sollte, selbst Gewalt erfährt. In Zeiten der massiv erhöhten Gefahr durch den Terrorismus fundamentalistischer Provenienz müssen wir ganz klar dem Thema Sicherheit noch viel mehr Aufmerksamkeit widmen. Wir brauchen 3000 Polizisten mehr. Das ist ein altes Thema der CVP.

Es geht aber auch um die soziale Sicherheit, um die Altersvorsorge, also die Rentenreform 2020.

Diese muss uns gelingen. Damit wir den Umwandlungssatz senken können, das müssen wir tun, damit unsere jungen Menschen auch noch etwas haben aus dem BVG-Topf, müssen wir den Kompromiss eingehen, die Neurenten in der AHV um 70 Franken zu erhöhen. Das ist eine Lösung, die wir zusammen mit Bundesrat Berset aufgleisen. Nur, damit es nicht immer heisst, wir machen alles zusammen mit der SVP…

Es geht um die Pflege im Alter, das grosse Zukunftsthema. Wir werden älter, wir leben länger. Immer mehr Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause in ihrem eigenen Heim bleiben. Dazu brauchen sie Hilfe. Diese bekamen sie früher von den eigenen Familienangehörigen. Doch der Umbau von Grossfamilien zu Kleinfamilien und die Tatsache, dass heute 75% aller Eltern berufstätig sind, verändert auch die Betreuungsarbeit unserer älteren Menschen. Das heisst, dass die hauswirtschaftlichen Berufe zu DEN grossen Zukunftsberufen werden und damit auch eine Aufwertung der häuslichen Arbeit geschieht. Eine Aufwertung, welche die CVP immer wieder gefordert hat. Denn es kann nicht sein, dass die familiäre Tätigkeit als Biographielücke gilt und bei einem Wiedereinstieg ins Erwerbsleben, alle diese Kompetenzen, welche man sich mit dem Management einer Familie erworben hat unter ihrem Wert beurteilt werden. Vereinbarkeit von Familien-und Erwerbsarbeit bedeutet für die CVP also nicht nur, die Schaffung von besseren Betreuungsstrukturen für Kinder, sondern auch eine Aufwertung der Familienarbeit und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, damit diese Kompetenzen angerechnet werden beim Wiedereinstieg ins Berufsleben oder bei der Aufnahme einer Ausbildung. Und wie erwähnt: Ein Wiedereinstieg ins Erwerbsleben, beispielsweise bei der häuslichen Betreuungsarbeit gelingt auch noch mit 65 Jahren.

Es geht um die Krankenkassenprämien, das Gesundheitswesen, das wie eine Spirale immer teurer wird, weil sich alle daran bedienen und jeder dem anderen die Schuld an den hohen Kosten zuschiebt. Seien wir ehrlich: Das Gesundheitswesen ist ein zutiefst sozialistisches System. Es ist in grossen Teilen auch ineffizient, weil es sich nicht gegenseitig kontrolliert. Die CVP Schweiz hat kürzlich vorgeschlagen, allen Leistungserbringern, Leistungsbezügern, den Krankenkassen, kurzum allen Beteiligten am Gesundheitssystem gesetzlich vorzuschreiben, die Kosten um einen bestimmten Prozentpunkt zu senken. Wie sie das tun, bleibt ihnen selbst überlassen. Die Politik hält sich da raus. Ein vielleicht schon sehr einfacher Ansatz. Doch der Grundgedanke geht in die richtige Richtung. Ich bin überzeugt, dass ineffiziente Abläufe am besten beseitigt werden durch einen äusseren Zwang, den man aufsetzt. Analog zu einer Schuldenbremse und einer Regulierungsbremse bei den öffentlichen Finanzen und bei der Wirtschaft, wäre beim Gesundheitswesen eine Inneffizienzbremse nötig.

Und es geht um unsere Arbeitsplätze und den Wirtschaftsstandort Aargau. Die CVP Aargau positioniert sich klar als eine für das Gewerbe und die Wirtschaft verlässliche Kraft. Gemäss dem Motto: „Sozial ist, was Arbeit schafft.“ sind wir überzeugt, dass die Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen so sein müssen, dass unsere Arbeitsplätze geschützt und erhalten bleiben. Wir können den Unternehmen nicht immer mehr Steine in den Weg legen. Es gibt nicht DIE Wirtschaft. DIE und WIR. Es gibt nur die Volkswirtschaft. Die Wirtschaft sind wir alle. Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die gegenseitige Sensibilität beweisen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger immer wieder von Neuem, indem sie extreme Initiativen von links mit grossen Mehrheiten ablehnen. Ein Zeichen aber auch dafür, dass sich eben auch die Arbeitgeber bewusst sind: unser wertvollstes Kapital sind unsere Mitarbeiter. Ganz in der Tradition der sozialen Marktwirtschaft, einer Erfindung der Christdemokratie. Über eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Vorlagen, welche am 12. Februar zur Abstimmung kommt, werden wir im Anschluss debattieren, die Unternehmenssteuerreform III, welche unser neue Grossrat Andreas Meier aus Klingnau vorstellen wird. In der Schweiz sind etwa 25000 ausländische Firmen ansässig, welche international tätig sind und hier in der Schweiz eine Sonderbesteuerung erfahren. Diese Besteuerung akzeptiert die OECD nicht mehr. Das bedeutet, dass die Schweiz ihr Steuersystem anpassen muss und mit dieser Steuerreform III, den Kantonen Instrumente in die Hand gibt, ihre Unternehmen gerechter und ausgeglichener zu besteuern. Welche Instrumente die Kantone hierfür anwenden, bleiben ihnen überlassen. Die CVP plädiert für ein klares Ja zur Unternehmenssteuerreform III, denn sie kompensiert durch ein innovatives neues Steuersystem den drohenden Wegzug der internationalen Firmen, wenn deren Sonderbesteuerung wegfällt. Diese Firmen generieren gesamthaft 150000 Arbeitsplätze, fördern die KMU und leisten 5 Milliarden Franken an Steuergeldern in der Schweiz.

Wir packen die Arbeit der neuen Legislatur an, engagiert, pointiert, hörbar, unbequem. Wir reissen die Themenführerschaft an uns auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene.

Wir kämpfen für unsere CVP-Inhalte und Werte. Es lohnt sich. „Ich bin CVP“, weil wir wissen, was wir tun.

Ich erkläre den ersten Parteitag der CVP Aargau im Jahre 2017 für eröffnet.

Marianne Binder-Keller, Präsidentin CVP Aargau

Kategorie: Gesellschaft, Wahlen