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Faule Bettler

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Einmal stolperte ich in einer andalusischen Stadt über einen Plastikbecher. Er war mit Münzen gefüllt und gehörte drei Bettlern, die auf der Strasse hockten. Als ich das Geld wieder aufgesammelt hatte, entdeckte ich weitere solcher vollen Becher und jeder hatte ein Schild.

Für Bier

Für einen IPod

Für neue Schlafsäcke

Für einen Porsche

Ich musste lachen. Auch die Bettler lachten. Ich wollte fotografieren, da hob einer ein Schild.

Foto 10 Euro!

Die Bettler haben unter www.lazybeggers.com eine eigene Website und informieren darauf, dass ihr Aufwand darin bestünde, die Leute zum Lachen zu bringen. Für Bettler sei das eine aussergewöhnliche Leistung. Da haben sie Recht.

Die Geschäftsidee macht Eindruck. Der moderne unternehmerisch handelnde Almosenempfänger steht auch keinesfalls im Widerspruch zur Bibel. Man darf das Geld für sich arbeiten lassen und sollte die Talente nicht vergraben. Das Konzept der innovativen Caritas soll dasjenige der reinen Selbstlosigkeit, für das der heilige Martin steht, nicht in Frage stellen. Doch weshalb nicht daran feilen? Der Heilige halbierte seinen Mantel und gab einen Teil einem armen Mann, der gar nichts hatte. Stofffetzen vergrössern sich nie, und beide Männer froren fortan, der eine zwar viel weniger, dafür der andere neu ein bisschen.

Für einen Besuch auf der Website schreibe man die Adresse wie angegeben falsch. Die Beggars erklären den Fehler damit, dass sie beim Einrichten der Seite sehr alkoholisiert gewesen seien und eine Korrektur zu teuer kam. Doch wem die Orthographie wichtig ist, kann dafür spenden. Erwünscht sind auch Rasierklingen (Gillette Mach 3) oder Bücher. Zum Geschäftsmodell der lazybeggers.com gehört ein enormes Kapital an Zeit. Es ist vorbildlich, wie verantwortungsvoll sie damit umgehen.

Kategorie: Armut, Innovation, Wirtschaft