04.04.2019 / Allgemein / /

CVP. Liberal-ökologisches Vordenken.

Die grossen Grundsätze der CVP, die Subsidiarität, die Solidarität, die Familie und die Bewahrung der Schöpfung kommen kontinuierlich in allen Programmen vor schreibt auch Andreas Ladner einmal.

Am 6. Juni 1971 stimmte das Schweizer Volk beinahe oppositionslos dem Verfassungsartikel zu, welcher auf eine Motion aus den Reihen der CVP aus dem Jahr 1964 zurückgeht – die Grünen waren damals noch gar nicht wirklich geboren… Die Aargauer Zeitung würdigt dies so: „Der Umweltschutzartikel gehört zu den eher geräuschlosen aber nachhaltigen Taten eines aufgeklärten Konservativismus.“ Die Motion reichte Julius Binder ein, damals Nationalrat, später Ständerat aus dem Kanton Aargau. Er ist der Vordenker des liberal-ökologischen Kurses unserer Partei und er ist der Vater des Umweltschutzartikels in der Bundesverfassung.

„Wenn wir dem Umweltschutz nicht wieder mehr Bedeutung beimessen, werden die Klimaveränderung, der zunehmende Lärm, das Artensterben und die verpestete Luft uns dazu zwingen“, meinte Julius Binder vorausschauend. Einen Widerspruch zwischen Ökologie und Ökonomie konnte er nie orten. Die aktuelle Entwicklung gibt ihm dabei mehr als Recht:

Im Vergleich zu den 70er Jahren hat sich unsere Ausgangslage dramatisch verändert: Während damals die negativen Folgen der Industrialisierung allenthalben sichtbar wurden, wird heute das Problem mit einer weiteren Facette überlagert: Die natürlichen Ressourcen und Rohstoffe sind auf globalem Niveau knappe Güter geworden. Die aufwachenden „Riesen“ in Indien und China lassen die Nachfrage nicht allein nach Öl, sondern auch nach Blei, Kupfer, Eisen sprunghaft in die Höhe schnellen. Wer die Ressourcen nicht schont, wird dafür in absehbarer Zeit einen volkswirtschaftlich kaum verkraftbaren Preis bezahlen müssen. Für liberal-ökologische Politik kann deshalb der Titel der Festschrift für Julius Binder von 1985 zur Handlungsmaxime genommen werden: „Mut zum Vorgriff“.

Reto Nause, ehemaliger Generalsekretär der CVP Schweiz, Februar 2011