16.06.2011 / Allgemein / / , , ,

Das Nachsehen haben die Bauern

Bakterien sind klein und machen grosse Schlagzeilen, so der neue Stamm von EHEC-Bakterien in Norddeutschland. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass eine mögliche Quelle vermeldet wird. Protokoll der Resultate: ein falscher Bakterienstamm bei den spanischen Gurken, ein Lübecker Restaurant, Tomaten und Salatköpfe, und seit ein paar Tagen wahrscheinlich die Sprossen.

Eine Zeitung titelte zuhanden der Behörden: „Konsumenten wollen Sicherheit, nicht Hysterie“. Das ist zwar richtig, doch falsch adressiert. Also, zurück an den Sender: Der Satz beweist den Druck der Medien auf die Öffentlichkeit. Oder umgekehrt wie erstere behaupten.

Wer sichert die absolute Sicherheit? Von den politischen Akteuren wird Transparenz verlangt. Massnahmen. Hier und jetzt. Wer meint, das Wissen sei noch nicht sicher, und die Sache noch nicht transparent, ist unfähig und entscheidungsschwach. Dahinter steht die absichtliche Fehleinschätzung menschlicher Fähigkeiten und menschlicher Macht. Und die mutwillige Oberflächlichkeit all derjenigen, die sofort Verantwortung einfordern ohne sie selber tragen zu müssen.

Es gab Zeiten, in denen die Wissenschaft zu sagen wagte, sie wisse etwas noch nicht, aber sie halte es für durchaus möglich, dass sie es irgendwann einmal wisse. Heute muss der Colt am Anschlag sein, der reflexartige Schuss ist Teil der Kompetenz. Und wehe, man trifft nicht ins Schwarze.

Doch Panik hält nur der Aberglauben aus. Die Blitzpositionierung ist seine Fähigkeit. Die Juden waren an der Pest schuld und die Hexen an den Viehseuchen. Der Volksfeind vergiftet die Brunnen. Momentan das Gemüse. Und das Nachsehen haben die Bauern.

Wir sollten aufhören, Wissenschaftler und Politiker wie Medizinmänner zu behandeln, meine ich. Die Vernunft hat den Aberglauben besiegt. Glaube ich…