19.04.2016 / Allgemein / / , ,

Diskussion zum Islam-so aktuell wie nie!

Ich finde, wir sollten aufhören, uns dauernd von irgendwelchen Fundis "verletzte Gefühle" vorwerfen zu lassen, ihnen Honig um den Bart schmieren und gleichzeitig deren Beleidigungen schlucken.

Unter dem Titel „Integration und Religionsfreiheit am Beispiel der Musliminnen und Muslime in der Schweiz“ hat die CVP Schweiz vor zehn Jahren ein Positionspapier veröffentlicht, in welchem wir verbindliche Vereinbarungen und Regeln für das gute Zusammenleben in der Schweiz vorschlugen. Wir gingen damit auf Sorgen und Fragen ein, welche in der westlichen aufgeklärten Gesellschaft mit der Zunahme von Migrantinnen und Migranten aus dem Nahen Osten bestehen und forderten eine offene Debatte, um gegenseitigen Verunsicherungen entgegenzutreten und bezüglich unterschiedlicher Vorstellungen Klärung zu schaffen.

Konkret ging es unter anderem um den Schwimmunterricht, um Klassenlager, Kleidervorschriften, bei uns übliche Riten und Bräuche, Fragen des Dispenses von bestimmten Fächern, Elterngespräche, um religiöse Symbole, Friedhofsordnungen, um die Problematik von Parallelgesellschaften, um die Gleichheitsrechte zwischen Mann und Frau, um Regelungen für Prediger und um die Bedrohungen, welche vom religiösen Fundamentalismus ausgehen.

Das mediale Gewitter blieb nicht aus. Vor allem von linker Seite und vom Freisinn kam der Protest und-obwohl Angehörige auch muslimischen Glaubens an diesem Papier mitgearbeitet hatten-von muslimischen Verbänden. Beweis ihrer Heterogenität. Die Hauptvorwürfe: die CVP mache aus der Religion ein Problem (so Pascal Couchepin, der damalige FDP Bundesrat), sie stigmatisiere und sie greife in die Glaubensfreiheit ein. Mit dem Argument von „Religion“ und „Freiheit“ , so hatte man den Eindruck, ist offenbar alles erlaubt, insbesondere auch die Infragestellung der Freiheit selbst. Das Problem seien nicht die Musliminnen und Muslime, welche bei uns längst integriert seien, wurden wir belehrt, sondern die fundamentalistischen Strömungen im Islam, unter denen gerade auch sie selbst am meisten leiden würden. Hatten wir etwa etwas anderes behauptet?

Dass die CVP keinen populistischen Phantomschmerz verspürte und eben doch viel reales Unbehagen bei der Bevölkerung vorhanden war, zeigte die spektakuläre Annahme der Minarettinitiative im Jahre 2009. Beinahe 60% des Schweizer Volkes hatten ihr zugestimmt. Als Erklärung geisterten „irrationale Ängste“ durch die Politlandschaft. Sie wahrzunehmen, hätte man besser vorher getan. Denn die Verharmlosung hat der Rationalität ganz offensichtlich alles andere als gedient. Auf dem Pfad zur Sachlichkeit versuchte sich denn als nächste Partei die SP mit einem öffentlichen Brainstorming zum Islam. Darunter die kecke Aussage, das Kopftuch sei ein diskriminierendes Kleidungsstück. Daraus zu folgerten sie, es sei für Lehrerinnen an öffentlichen Schulen zu verbieten. Weshalb sie die Schulmädchen nicht auch davon befreien wollten, liessen die Genossen in ihrem Papier zwar wieder offen, sie waren wohl selbst erschrocken ob ihrem Mut.

Das sei ihnen nachzusehen, die Diskussion kann man ja an anderer Stelle führen, doch der Vorfall in Basel darf nicht einfach ad acta gelegt werden. Zwei muslimische Pubertierende wollen ihrer Lehrerin die Hand nicht geben und verweigern den Augenkontakt. Was steht als nächstes auf der Traktandenliste? Dass man sie ausschliesslich von Männern unterrichtet? Dass sie keine Mädchen mehr in der Klasse wünschen? Dass die Väter mit weiblichen Lehrpersonen keine Elterngespräche zu führen belieben? Und wenn, nur mit verhüllten? Dass man die Lehrpläne ändern muss, die Krippenspiele umschreiben, die Ostereier nicht mehr färben, den Samichlaus verbieten, in der abendländischen Literatur Anspielungen auf die Bibel schwärzen… Man verzeihe die Polemik, aber man wehre sich solcher Dynamik. Mit „Religion“ und „Rücksicht auf Religion“ hat das nichts zu tun, sondern mit „Ideologie“ und „Rückständigkeit“. Ich finde, wir sollten aufhören, uns stets von irgendwelchen Fundis „verletzte Gefühle“ vorwerfen lassen“, ihnen Honig um den Bart schmieren, gleichzeitig jedoch deren Beleidigungen schlucken. Und ein verweigerter Handschlag ist in unserer Gesellschaft nun einmal eine Beleidigung. Nicht mehr und nicht weniger. Diese Feststellung ist übrigens ohne teures Gutachten gratis zu haben.

Die Respektverweigerung warf deshalb solche Wellen, weil das unterschiedliche Verständnis für die Achtung von Männern gegenüber Frauen eine Schweizer Lehrperson betrifft. Ein Skandal. Die Schlechterstellung der Frauen mit Migrationshintergrund wird ansonsten gerne übergangen wie einmal mehr erlebt von den Wortführerinnen am Tag der Frau. Das ist ein falsches Verständnis von Toleranz. Denn es ist ein Kniefall vor der Ignoranz von Männern. Der Vorfall in Basel bildet lediglich die Spitze des Eisberges. Darunter verbergen sich andere Diskriminierungen, welchen viele Migrantinnen durch ihre patriarchalen Familienstrukturen ausgesetzt sind und welche ausgesprochen werden müssen. Motto: Nicht nur gleiche Rechte von Mann und Frau einfordern, sondern auch gleiche Rechte von Frau und Frau.

Die Flüchtlingswelle aus dem nahen Osten verursacht durch terroristische Regimes und Bürgerkriege in verschiedenen Ländern, wird die Schweiz auch in diesem Jahr vor grosse Herausforderungen stellen. Es halten sich immer mehr Migrantinnen und Migranten bei uns auf, denen die Freiheitsrechte einer westlichen Gesellschaft fremd sind. Der Zusammenprall dieser unterschiedlichen Vorstellungen irritiert und er strapaziert den Begriff der Toleranz. Es braucht deshalb dringend verbindliche Handlungsanweisungen, die das gute Zusammenleben der Kulturen gewährleisten. Verständliche, von Männern und Frauen unterschriebene Integrationsvereinbarungen als Voraussetzung für einen Aufenthalt. Damit ist keine neue „Regulierung“ gemeint, sondern „Regeln“ basierend auf der Auslegung des Rechtsstaates, unserer Gesetze, unserer Normen und Werte. Besonderes Augenmerk soll den Gleichheitsrechten gelten und der verstärkten Integration der Frauen und der Aufklärung über ihre Rechte. Frauen spielen eine Schlüsselrolle in der Erziehung der Kinder, was wiederum das Selbstbewusstsein der Mädchen stärkt und auch Radikalisierungen entgegenwirkt.

Die CVP Aargau hat deshalb die beiliegenden Forderungen verfasst, welche sie im Aargauischen Grossen Rat einreicht.