10.07.2009 / Allgemein / / , , ,

Prototyp einer Staatsgotte in Entwicklung?

Nicht, dass wir Eltern grundsätzlich abgeneigt wären, unsere Kinderhüteprobleme ein für allemal gelöst zu sehen. Notfalls sogar vom Bund. Wer ins Theater möchte, ins Fitnesscenter, schnell einkaufen muss, einem Teilzeitjob nachgeht oder einen kleinen Wochenendtrip unternimmt, wählt eine Nummer und schnell wie der Pizzablitz erscheint ein Babysitter, patentiert und diplomiert vom Staat, der damit auch vollumfängliche Sicherheit garantiert. So ist die Pflegekinderverordnung, welche neu überarbeitet und nun als Entwurf in die Vernehmlassung geschickt wurde, jedoch nicht gemeint.

Der Staat hütet uns keineswegs die Kinder, vielmehr hütet dieser beim Kinderhüten uns! Wer regelmässig stundenweise oder tageweise den Nachwuchs bei Nachbarn und Freunden ohne amtliche Bewilligung unterbringt, wer Babysitter anstellt ohne Ausbildung und staatliche Kontrolle, riskiert neu eine Busse. Wer die Klassenkameraden des halbwüchsigen Sohnes immer mal wieder bei sich übernachten lässt, oder sie gar, wie bei uns öfters vorgekommen, an  ganzen Wochenenden beherbergt, befindet sich im Dunstbereich der Illegalität, ebenso wer sie periodisch in Jugendlager schickt oder wer ohne Lizenz fremden Kindern Windeln wechselt.

Die veraltete Pflegekinderverordnung aus dem Jahre 1977 zu überarbeiten, um eine Professionalisierung des Pflegekinderwesens zu erreichen, ist sinnvoll und geschah unter anderem auch auf Wunsch der Kantone. Man erhoffte sich präzisere und einheitlichere Vorgaben. Vereinzelt sorgten auch Missstände in Heimen und Pflegefamilien für Aufregung, was den Ruf nach  koordinierter staatlicher Reglementierung und Aufsicht laut werden liess. Dem Wohl von Kindern, welche nicht bei ihren Eltern aufwachsen und in Heimen und Pflegefamilien untergebracht sind, ist hohe Bedeutung zuzumessen und die Vorschriften sollen streng sein.

Doch einmal mehr schiesst eine Verordnung übers Ziel hinaus und widerläuft der Absicht, eine Gesetzgebung zu aktualisieren und zu verbessern. Ins Visier der Regulierungshysteriker geraten auf einmal alle, welche privat und in Eigeninitiative regelmässig fremde Kinder betreuen: Nachbarn, Freunde, Paten, Verwandte, Kindermädchen, Babysitter, Pfadiführer, Grosseltern, Eltern, zusammengefasst: Wir alle!

Die Mündigkeit, selbst zu entscheiden, wer unser Kind betreut, wird uns abgesprochen. Die Erlaubnis erfolgt durch den Staat. Wir können gespannt sein auf die Kriterien, welche er setzt.  Dass in einem aufwändigen Projekt demnächst der Prototyp einer „Staatsgotte“ entwickelt wird, erscheint so abwegig nicht. Selbstverständlich finanziert mit unseren Steuergeldern.

Die Probleme von Schweizer Eltern bei der Suche nach Betreuungsplätzen und Betreuungspersonen sind schon gross genug. Krippen gibt es nicht im Überfluss. Für viele Paare sind diese auch schlecht erschwinglich. Tagesschulen und befriedigende Tagesstrukturen sind nicht annähernd so etabliert wie in den meisten ausländischen Staaten. Wir Eltern organisieren uns deshalb bei stunden-oder tageweiser Betreuung privat. In Austauschprogrammen mit Nachbarn, Verwandten, Freunden. Dass unsere Eigeninitiative gebremst werden soll mit unsinnigen Hürden, dient niemandem, am wenigsten den Kindern, um deren Wohl es ja vordringlich geht.

Keine Regulierung ohne Missstand. Welchen Vorwurf man uns Eltern machen kann in der verantwortungsvollen Auswahl derjenigen Personen, welchen wir im privaten Bereich unsere Kinder anvertrauen, soll mir jemand erklären. Denjenigen, dass wir nicht umsichtig genug handeln, lassen wir auf jeden Fall nicht auf uns sitzen!