16.10.2012 / Allgemein / / , , ,

“Pluralene”

Man kann sich glücklich schätzen, wenn weiter nichts ist, aber ich stosse mich seit längerem an einem neuen mundartlichen Plural. Angefangen hatte es mit „Ideeene“ und „Skizzene“. Unterdessen greift die Form aber auch aufs Hochdeutsche über und die Moderatorin im Kulturplatz spricht von „Ideeenen“ und „Skizzenen“. Ebenfalls der Präsident einer Jury, der eine Autorin ehrt und ihr Schaffen in verschiedenen „Phasenen“ schildert.

Bliebe es dabei,  könnte man sich ja wieder einrenken, doch unterdessen diskutieren wir über „Reformene“ und „Perspektivene“, entziffern „Hyroglyphene“, bauen „Turbinene“, machen „Notizene“, schreiben „Gschichtene“, definieren  „Sichtwiisene“, studieren „Siitene“ vo „Charakterene“, blicken hinunter von „Türmene“, wandern in den „Bergene“,  und empfehlen „Schiibene“, gemeint sind CDs.

Als kürzlich ein Kollege von „Frauene“ sprach, empfand ich die Grenze als überschritten. Folgen werden „Mannenen“, „Schirennenen“, „Gedankenen“ an Affenen“,  „Heldenen“ in „Schweizer Sagenen“, und „Flaschenen“ in „Harassenen“.

Man sagt mir, das komme aus dem Berndeutschen. Eine Hauptstadt diktiert uns die Mehrzahl. Schleichend. Zentralistischer Mehrzahleinheitsbrei unterwandert das Recht der Bürgerinnen und Bürger auf ihre persönliche Vielfalt. Soll man nicht wachsam sein?

Ich weiss, es sind Luxusprobleme. Doch deshalb auch leichter zu lösen. Man schreibt sie sich von den „Seelenen“.