22.07.2019 / Allgemein / /

Smartvote ist auch ein bisschen Hokuspokus.

Mein Blog aus dem Jahr 2012 ist so aktuell wie heute.

2906 Kan­di­die­rende haben bis­her bei Smart­vote teil­ge­nom­men, das sind 84%.  Es wur­den  784 730 Wahl­emp­feh­lun­gen aus­ge­stellt. Bei Smart­vote mitz­u­ma­chen ist fast ob­li­ga­to­risch ge­wor­den. Der Po­li­to­loge An­dreas Lad­ner ist davon überzeugt, dass die Zu­kunft  Smartvote heisst. Smart­vote könne unser Wahl­ver­hal­ten verändern. Doch dafür behüte uns der Gott der Wähler und der zu Wählenden!

Ich habe auch mitgemacht bei Smartvote. Aufgrund eines bestimmten Fragerasters wurde ich in eine politische Landschaft eingepflanzt. Rechts, links, liberal, konservativ. Dann wurde mir ein Profil erstellt in Form einer Spinne mit kurzen oder langen Beinen für mehr oder weniger Law and Order, Sozialstaat, aussenpolitische Öffnung, Umweltpolitik, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Liberalisierung.

Doc​h die Auswahl der Fragen ist willkürlich, ausgerichtet auf die politischen Pole und sie haben eine politische Agenda. Manchmal sind sie ungenau formuliert und die Einteilung auf den Achsen nicht immer nachvollziehbar. Ich habe beispielsweise keine Ahnung, weshalb meine liberale Einstellung einen Einbruch erleidet, wenn ich die Heiratsstrafe abschaffen will mittels Vollsplitting. Kommt es denn drauf an, wer in welcher Lebensphase wieviel zum gemeinsamen Einkommen beiträgt.

Mich erinnert das Ganze an «Was sind Sie für ein Typ»-Tests in Zeitschriften, wo man im Multiplechoiceverfahr​en Fragen ausfüllt zu Charaktereigenschafte​n und sich überraschen lässt, wohin das Abenteuer führt. Doch Smartvote will schliesslich Wissenschaft, nicht Esoterik sein. Und schon gar nicht Hokuspokus.

Ich würde es deshalb wünschen, wenn die Verantwortlichen ihre Wahlplattform differenzierter und vor allem transparenter gestalten würden. Oder aber: die Grenzen ihres Vermessungsanspruchs einmal aufzeigen. Denn Smartvote ist schliesslich auch keine Religion.