12.06.2009 / Allgemein / / , ,

Der Mensch im Mittelpunkt

Dass ein Umbau im Gesundheitswesen erfolgen muss, liegt auf der Hand. Die CVP Schweiz wird deshalb anlässlich ihres nächsten Parteitages eine Diskussion führen.

Unter anderem schlägt die CVP vor, Versorgungsregionen zu schaffen, welche die Zusammenarbeit der Kantone verlangen, sie möchte die Spitzenmedizin auf Bundesebene geplant wissen, die Stellung der Hausärzte stärken, die elektronische Patientenkarte einführen, ebenso Instrumente, welche der Verschwendung von Medikamenten entgegenwirken. Weiter fordern wir neue Preisstrukturen im ambulanten Spitalbereich sowie deren bessere Steuerung, und wir wollen Notfalldienste von Bagatellfällen befreien.

Beobachtet man den Gesundheitsmarkt, stellt man fest, dass die verschiedenen Beteiligten, seien dies Spitäler, Ärzte, Pflegepersonal, Forschung, Industrie, Krankenkassen in ihrer Argumentation, weshalb das System schwer zu kontrollieren sei, immer wieder auf den Patienten verweisen und seine Bedürfnisse. Angebote, welche bestünden, würden nun einmal genutzt. Der Patient sei in seinen Ansprüchen nicht steuerbar.

Dieser Behauptung wollen wir uns an unserem nächsten Parteitag stellen und eine Diskussion darüber führen, welche Leistungen wir uns angedeihen lassen wollen und welche nicht. Wie frei sind wir Patienten als Konsumenten im regulierten Markt eines Gesundheitswesens? Generieren tatsächlich wir selbst das Angebot? Wird es uns nicht vielmehr diktiert? Oder ist das Verhältnis zwischen Kosten, Angebot und Qualität den Konsumenten eher gleichgültig?

Es geht bei diesen Fragen auch (aber nicht nur!) um die Gestaltung des Lebens in seiner letzten Phase und wie selbstbestimmt wir das tun können. Dass die CVP diese Fragen stellt, hat zu reden gegeben. Wenn wir über die Angemessenheit einer Therapie oder eines medizinischen Eingriffs kurz vor dem Tod sprechen, dürfen Kosten kein Thema sein, sondern ausschliesslich die Würde des sterbenden Menschen. Diese Würde liegt in der Selbstbestimmung und in der freien Definition der Therapie. Sie soll einem nicht diktiert werden. Die moderne Medizin hat unsere Lebenserwartung beträchtlich verlängert. Doch sie fordert uns gerade deshalb auch heraus. Sie lässt uns mit all ihren Segnungen vergessen, dass wir trotz allem sterblich sind.

Die Reaktionen, die wir bekommen, zeigen, dass ein Bedürfnis besteht, gemeinsam und vertieft nachzudenken über eine angemessene medizinische Therapie in der letzten Lebensphase. Viele Patienten und ihre Angehörigen, Ärzte, Pflegende, fühlen sich offenbar allein gelassen in der Problematik, wie mit einem würdigen Sein vor dem Tod umzugehen sei. Die Diskussion am Parteitag wird keine Handlungsanweisungen geben können, schon gar keine einfachen. Als Wertepartei gehört es aber auch zu unserer Aufgabe, brennende Fragen zu stellen, die die Bevölkerung beschäftigen, ohne die Antworten schon vorweg nehmen zu wollen. Es kommt auf die Art und Weise an, wie wir das tun: offen, ehrlich und konstruktiv. Nehmen Sie teil an dieser Diskussion!