13.12.2012 / Allgemein / / , ,

Was spricht denn gegen Frauenteams?

Wir Frauen sind weltweit untervertreten, allerdings nur in den Chefetagen und nur gerade heute noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Letzteres erledigt sich von selbst, denn unsere Lebenserwartung steigt exponentiell im Vergleich zu derjenigen unserer Männer. Ersteres wollen wir mit der Einführung von Frauenquoten angehen. Wenn ich sehe, wie ein diesbezüglicher Vorstoss den sozialdemokratischen Berner Stadtpräsidenten in die Sätze gebracht hat, zolle ich denjenigen Frauen aus allen politischen Lagern, die ihn im Parlament durchgebracht haben, Respekt. „Wie soll das nur gehen“, fragte der Stadtpräsident die ratlose Öffentlichkeit „bei den vielen technischen Berufen in meiner Verwaltung jede dritte Kaderstelle mit einer Frau zu besetzen?“  Ja, lieber Herr Tschäppät, das ist nun wirklich nicht unser Problem. Und wenn Sie offenbar nie darüber nachgedacht haben, dann ist es Zeit, damit zu beginnen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich halte nichts von gesetzlich aufgelegten Frauenquoten.

Der Druck solcher Vorstösse auch auf Bundesebene auf die Unternehmen und die Verwaltung mag ja heilsam sein. Man denkt intern über Alternativen nach, macht Zielvorgaben, aber solche staatlichen Anstellungsregeln sind wirtschaftsfeindlich und beschränken den Wettbewerb. Fixe Quoten stellen die Grundsätze der Corporate Governance in Frage und schränken die Aktionärsrechte ein. Der Gesetzgeber ist nicht geeignet, den Frauen den Aufstieg in Führungspositionen zu ermöglichen, das sollen die Arbeitgeber tun. Und vor allem die Frauen selbst. Quoten bekämpfen die Symptome, nicht die Ursachen der Untervertretung. Und diese Ursachen orte ich vor allem auch bei uns Frauen. Ohne uns verändert sich gar nichts.

Die Einführung von Quoten ist ein Zeichen dafür, dass man sich nicht selbst zu seinem Recht verhelfen kann. Und deshalb braucht es sie nicht. Ich sage es offen: ich fühle mich weder diskriminiert, noch benachteiligt, noch unterdrückt. Ich empfinde meine Rechte als Frau intakt und ich habe gegenüber Männern keine Unterlegenheitsgefühle. Deshalb stört mich die Diskussion. Vor allem auch dann, wenn darüber- wie kürzlich geschehen- eine Fernseharena abgehalten wird und sich die Führungsriege in der Redaktion, welche vorwiegend aus Frauen besteht, nicht einmal bei diesem Thema getraut, zur Abwechslung einmal freiwillig auf die Männer zu verzichten. Stattdessen versuchen sich im Ring zwei Frauenversteher der politischen Pole in Deutung über uns: „Frauen gehören nicht in die Politik, sie sind viel zu gescheit.“ Oder  „Frauen werden viel zu sehr aufs Frau-sein reduziert“. Worauf bitteschön denn sonst?

Mir widerstrebt die Opferrolle. Denn wäre dem so, dass ich ein Opfer bin, wer trägt die Schuld und die Verantwortung für dieses Leiden? Beispielsweise die Gesellschaft: Zu viele Ansprüche an die Frauen, welche gar nicht zu erfüllen sind. Beispielsweise unsere Mütter: Sie vermittelten die falschen Rollenbilder. Unsere Sozialisierung  ging in die Binsen. Frauen sollen nicht arbeiten. Schon gar nicht auf Kaderstufe. Beispielsweise unsere mangelnde Vernetzung : Männer gehen ins Militär, sind in Serviceclubs und Sportvereinen. Männer befördern Männer. Beispielsweise die einseitige Bildung: Das kleinere Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern. Beispielsweise die Schwangerschaft. Die Kinder. Die Familie…

Beispielsweise wir selbst: Es fällt uns schwer, im Vorteil zu sein, denn um Gleichberechtigung zu kämpfen, ist das eine, damit etwas anzufangen das andere. Über 60 Prozent der Schweizerinnen wählen immer noch wie vor 40 Jahren, nämlich gar nicht. Jahrhundertelang im Koma belassen, was Bildung betrifft, bekommen wir nun überhand an den Universitäten. Was zur Folge hat, dass wir uns kaum mehr einrenken vor schlechtem Gewissen. Wir rufen nach männlichem Lehrpersonal, nach auf Knaben ausgerichteter Didaktik und sind als ehemalige Elitetruppen der Emanzipation zu Löwenmüttern geworden für die erschwerte Sache unseres männlichen Nachwuchses. Auf einmal sprechen wir von der so genannten Feminisierung gewisser Berufszweige. Gute Durchmischung heisst neu die oberste Losung und die Frage stellt sich, weshalb.  Was spricht denn gegen Frauenteams? Meine Erfahrungen in unserem Team sind auf jeden Fall so, dass es mich schmerzen würde, wenn wir eine Quote hätten. Es müsste unterdessen eine für Männer sein.

Die Zukunft ist rosig. Unternehmen können es sich aus ökonomischen Gründen nicht leisten, auf Frauen in Führungspositionen zu verzichten, und es ist volkswirtschaftlich unsinnig, das hervorragende Bildungssystem  nicht besser zu nutzen. Was uns noch fehlt zum Glück sind die besseren Rahmenbedingungen und diese auch noch zu erringen, liegt an uns.  Mit einer politischen Beteiligung,  die unserem Potential entspricht und diese wäre in unserem Lande über 50%.

Wozu eine Frauenquote fordern, welche wir längst selber inne hätten!

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