17.11.2021 / Blog / /

Gemeinsam gegen die Pandemie.

Nicht das Zertifikat spaltet die Gesellschaft. Wenn schon, ist es das Virus.

Zum zweiten Mal stimmen wir über das Covid-19-Gesetz ab. Diesmal über Änderungen, welche das Parlament in der Frühlingssession vornahm. Zentral sind die Ausweitungen von dringend notwendigen weiteren Finanzhilfen für die Wirtschaft und die Kultur, die Förderung der Covid-Tests und die Grundlage für das Zertifikat für Genesene, Geimpfte und Getestete (3G).

Die Massnahmen stehen für die Rückkehr zur Normalität. Dafür, die Risiken der Ansteckung zu senken, die Gefahr, schwer an Covid zu erkranken, zu vermeiden und somit die Überlastung der Gesundheitseinrichtungen zu verhindern. Es ist ein Weg zurück zu einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben, von dem wir gerade wieder eine wunderbare Ahnung erhalten. Dank auch dem Zertifikat. Wir besuchen wieder Restaurants, Kinos, Sport-und Kulturveranstaltungen. Wir treffen wieder Freunde und Verwandte. Bald ist Weihnachten, man erinnere sich an die Fünfpersonenregel vor einem Jahr. Wir gewinnen Reisefreiheit durch die internationale Anerkennung des Zertifikates. Negativ getestet oder geimpft.

Doch ausgerechnet dieses Zertifikat erzeugt Widerstand. Stein des Anstosses ist die Impfung. Die Krankheit wird teilweise unterschätzt oder geradezu negiert. Dies ungeachtet der Fakten und Schilderungen von der Front. Für mich verständlich ist deshalb die Reaktion eines Infektiologen des Unispitals Zürich, welchen ich kürzlich im Club gehört habe. Ein junger Mensch belehrte ihn mit irgendeiner coronaskeptischen «Studie», worauf er ihm gereizt antwortete, er solle sich doch einmal mit dem 27-jährigen schwer an Covid erkrankten Mann auseinandersetzen, den er gerade auf der IPS behandle. Abgesehen davon, ginge es ja nicht nur um die eigene Gesundheit, wenn man sich impfen liesse…

Denn je höher die Impfquote, je effektiver der Kampf gegen Mutationen. Der Kampf gegen die Pandemie ist ein gemeinsamer. Vor 100 Jahren wütete ein ähnlich aggressives Virus wie das heutige. Die Spanische Grippe forderte weltweit gegen 60 Millionen Tote. Es starben insbesondere viele junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, deren Abwehrkräfte offenbar geschwächt waren. Was wäre eine Impfung für ein Segen gewesen für sie!

Die Fortschritte der Medizin sind eine Sensation! Die Impfung gegen Pocken, Kinderlähmung, Tuberkulose, Starrkrampf, Masern, Malaria, die Erfindung des Penizillins! Leisten wir uns bitte nicht den Luxus, auf Impfungen zu verzichten, weil wir auf ein hervorragendes Gesundheitssystem bauen, das einen dann schon intubiert, wenn’s hart auf hart kommt. Ein Gesundheitssystem, dass auch diejenigen beatmet, die es hätten vermeiden können.

Das Zertifikat ist ein Passierschein in die Freiheit. Nicht zu verwechseln mit einem Passierschein in die Unvorsichtigkeit. Wie ein Aargauischer Parteianlass kürzlich gezeigt hat, ist ein negativer Test noch keine 100%-Garantie, dass Menschen nicht positiv sind und somit selbst ansteckend sein können. Und auch doppelt Geimpfte können das Virus erwischen. Aber auch das ist erwiesen: der Verlauf der Krankheit ist bei Geimpften viel milder und die Risiken, dass sie die IPS überlasten, sind klein.

Es ist das Virus, das die Intensivstationen an die Belastungsgrenzen führt und die Gesellschaft in den Lockdown. Es ist das Virus, das die Gesellschaft spaltet, nicht das Covid-Zertifikat. Ich bitte deshalb um ein Ja zum Covid-19 Gesetz. Ein Ja ist ein Weg aus der Pandemie und hin zu möglichst viel wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Freiheit für alle. Gemeinsame Freiheit, zu welcher jede einzelne Stimme beiträgt. Danke.