28.08.2022 / Blog / /

„Grosi go home!“ Das Weltbild des Herrn Maillard. Gewerkschaftsboss.

Das ungleiche Rentenalter ist ein patriarchales Relikt, welches unter anderem der männlichen „Einernähreridylle" der 50er Jahre geschuldet ist.

1948, bei der Einführung der AHV, lag das Renteneintrittsalter für beide Geschlechter bei 65 Jahren. Danach wurde es für Frauen gesenkt. Es soll jetzt wieder paritätisch werden und eine der wichtigen Massnahmen bilden, unser grosses Sozialwerk finanziell abzusichern und es solidarisch auch für die nächsten Generationen zu bewahren. Dass ein gleiches Rentenalter ausgerechnet von linker Seite bekämpft wird und mit mangelnder Gleichstellung begründet, ist unverständlich. Erstens geschieht die Reform nicht auf dem Buckel der Frauen, die Aussage ist schlicht falsch. In der AHV haben Frauen Privilegien und keine Diskriminierungen. (55% der Renten gehen an Frauen, 45% an Männer. 66% der AHV-pflichtigen Beiträge, werden von Männern einbezahlt, 34% von Frauen. Und im Durchschnitt beziehen die Frauen etwa 5 Jahre mehr Rente). Zweitens ist das ungleiche Rentenalter ein patriarchales Relikt, welches unter anderem der männlichen „Einernähreridylle“ der 50er und 60er Jahre geschuldet ist. Den Vogel abgeschossen hat kürzlich der oberste Gewerkschaftsboss Pierre-Yves Maillard, der doch wortwörtlich sagte:  «Frauen, die länger arbeiten, fehlen als Grossmütter beim Enkelhüten.» Mit anderen Worten: „Grosi gang hei!“ Nichts gegen den emotionalen und auch volkswirtschaftlichen Wert der Enkelbetreuung, aber abgesehen davon, dass es ja auch Grossväter gäbe, hält der Gewerkschaftsboss ganz offensichtlich nicht allzu viel von der Bedeutung der weiblichen Erwerbsarbeit im Vergleich zur männlichen. Er verdrängt, wie hoch unsere Erwerbsquote unterdessen ist und wie qualitativ hochstehend weibliche Fachkräfte sind. Auch mit über 60 Jahren. Er findet, auf uns könne man im Erwerbsleben lockerer verzichten, als auf Männer. Er sollte sein Gesellschaftsbild überarbeiten. Wer sagt es ihm?