04.10.2018 / Blog / /

Helvetia ruft. Bei SRF in die Wüste. Oder: Frauen im Schatten, die Männer im Licht.

In die letzten 9 Clubsendungen lud SRF im gesamten 41 Männer ein und 12 Frauen! In die letzten 8 Arenasendungen 32 Männer und 10 Frauen!

Tatort kürzlich im Club des Schweizer Fernsehens. Das Gespräch drehte sich vorwiegend um die Frauenfrage im Bundesrat. Paritätisch eingeladen war die Politik mit einer Politikerin und einem Politiker. Des Weiteren drei „Sachverständige“. Zwei davon Männer. Ungeachtet dessen, dass längst auch Frauen Kommunikationsspezialistinnen sind, Politikbeobachterinnen oder Publizistinnen, verstehen Männer offenbar immer noch doppelt so viel von allem, sogar wenns um Frauen geht. Überhaupt hat man im Leutschenbach an den Herren geradezu den Narren gefressen, auch die einladenden Damen. Beispiel gefällig? In den letzten neun Clubsendungen waren gesamthaft 41 Männer und 12 Frauen! In den letzten neun Arenasendungen 32 Männer und 10 Frauen! Das, mit Verlaub,  ist doch schwer zu erklären. 

Wohlverstanden, von mir aus kann die Runde auch einmal aus sieben Männern bestehen, oder sieben Frauen, wie bald vielleicht der Bundesrat.  Ich halte nichts von Quoten. Wer anderen eine Quote gräbt, fällt selbst hinein. Und wie die Revolution die eigenen Quotenkinder mit gnadenlosen Bissen im Gewissen frisst, tut einem momentan beinahe leid. Das Geschlecht, die biologische Prädestination, wie sie das dialektisch geschult, argumentativ in die eigenen Karrierewünsche quetschen, das wissen die sich verrannten Frauenquotenweiberhelden, ist kein Programm. Und richtig: Frausein schon gar nicht.

Doch mich ärgert der Widerspruch. Im Zusammenhang mit den Rücktritten der beiden Mitglieder der Landesregierung Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann werden den Parteiverantwortlichen von SRF seit Wochen die Mikrofone unter die Nase gehalten, um ihnen Bekenntnisse zu reinen Frauentickets bei den Bundesratswahlen abzuringen. Auf allen Kanälen ist keine Frage so präsent, wie diejenige nach besserer Frauenförderung in der Politik. Dort aber, wo man Frauen idealerweise selbst fördern könnte, nämlich auf den wichtigen Plattformen desselben Mediums, lässt man sie wie die Motten das Scheinwerferlicht umschwärmen, das vor allem die Männer bestrahlt. Deshalb zusammengefasst:  wie bitte gedeiht man Frauen Förderung an, wenn man sie nicht beachtet? Wer soll Frauen wählen, wenn sie keiner kennt?

Man mag bei der Arena ab und zu noch ein Minimum an Verständnis aufbringen, wenn Männer dominieren. Die Sendung setzt die politische Debatte in den Fokus, und im nationalen Parlament sitzen nun einmal mehr Männer als Frauen. Doch nicht nachvollziehbar ist es dann, wenn wir generell in unseren Berufen und Fachbereichen dreimal weniger auf dem Ticket sind. Als gäbe es uns nicht. Als ebenbürtige Spezialistinnen und als Expertinnen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, als Ärztinnen, Juristinnen, Jugendarbeiterinnen, Seelsorgerinnen, Wissenschaftlerinnen, Familienmanagerinnen, Unternehmerinnen, Bäuerinnen, Erziehende, Ausbildende, Autorinnen, Politikerinnen, etc.etc.   Nebenbei bemerkt: Ein noch gröberes Missverhältnis zwischen Frauen und Männern zeigt sich auch auf den Podien des Aargauischen Zentrums für Demokratie. Ich bitte, in die Runde zu schauen und weitere Beispiele zu benennen. Ein kleines Monitoring der Einladungslisten der jeweiligen Institutionen ist in zehn Minuten erstellt. Man kann es mir zuschicken. Ich verwalte es gerne. 

Nochmals: Ich halte nichts von staatlich aufgedrückten Quoten. Die Quote schaffen wir selbst. Indem wir uns zur Wahl stellen, wählen gehen und aktiv an Abstimmungen teilnehmen. 60 Prozent aller Frauen stimmen und wählen wie noch vor 80 Jahren, nämlich gar nicht. Da kann uns keiner helfen. Können wir nur selber ändern. Dazu gehört auch, Obiges zu monieren und unangenehm zu sein.  Wer ertrotzt sich schon gerne das Mikrofon und drängt sich hervor? Meist ist einem das zu blöd. Doch wer nichts unternimmt, mit dem wird unternommen. Männer wissen  das besser. Vorwerfen kann man es ihnen nicht.

Ich finde, wenn Helvetia uns ruft, muss sie uns selber hören. Und das kann sie unter anderem durch Ihr öffentlich-rechtliches Mikrofon, das Frauen schliesslich mitfinanzieren und angemessen benutzen wollen.  Wenn SRF nicht merkt, was angemessen heisst, dann geben wir gerne Nachhilfe in Angemessenheit und setzen bei Begriffsstutzigkeit Druck auf mit einer Petition. Arbeitstitel: „Dreimal mehr Männer als Frauenbei SRF sind dreimal mehr als genug“ oder „Helvetia ruft. Bei SRF in die Wüste“. Wetten, es hilft!