03.09.2018 / Blog / /

Kunst und Willkür in der Sowjetunion, ein Beispiel…

Diktaturen töten Kunst

Gestern habe ich in Luzern das Violinkonzert Nr. 1 a-Moll op. 77 von Dimitri Schostakowitsch gehört, das er für den Geiger David Oistrach 1948 geschaffen hatte. Kurz vor Vollendung des Werkes wurde der Komponist vom Zentralkomitee der KPdSU als „Formalist“ und „Volksfeind“ gebrandmarkt, dessen Musik in „abstossende pathologische Regionen“ führe. Eine Aufführung war undenkbar und der Künstler verlor seine Lehrämter in Moskau und Leningrad. Auch wahrscheinlich, weil das Violinkonzert Anklänge an die jüdische Volkskultur hatte und dies in der antisemitisch geprägten Sowjetunion nicht toleriert wurde. Dimitri Schostakovitsch litt ein Leben lang an der Willkür der kommunistischen Diktatur, wurde verteufelt und in seiner Existenz bedroht, weil seine Musik, insbesondere Stalin nicht gefiel. Viele seiner Werke wurden erst ein Vierteljahrhundert später aufgeführt.