05.05.2019 / Ich chome verbii / /

Beim Coiffeur Grimm

Ich bin seit vielen Jahren Kundin beim Coiffeur Grimm in Baden und beginne meine Tour bei ihm. Ich kann es drehen und wenden wie ich es will, aber mein Coiffeur ist für mich ein wichtiger Mann, besonders in einem Wahljahr. Man überzeuge sich selbst von der Qualität seiner Arbeit. Sie ist ersichtlich auf meinem Wahlflyer…;-) Ein Coiffeur ist Schönheitschirurg, Psychiater, Entertainer, Handwerker, gute Laune Verbreiter, Unternehmer und vieles mehr.

Coiffeusen oder Coiffeure sind wichtige Personen. „Muesch weder mol zum Coiffeur.“ ist ein gängiger Satz. Ich wüsste nicht, bei welchem anderen Beruf man ihn sonst hört. « HAVE A GOOD HAIR DAY » begrüsst Ramon Grimm auf seiner Homepage. Was ein Bad Hair Day ist, muss man wohl niemandem erklären. Ramon Grimm führt seit sechs Jahren das von seinem Vater 1974 gegründete Coiffeurgeschäft. Mittlerweile hat er 24 Angestellte, davon sind sechs Lehrlinge. Das Hauptgeschäft befindet sich zentral an der Badstrasse in Baden, zusätzlich gibt es eine Filiale beim Kantonsspital in Baden-Dättwil. Die Dienstleistungspalette ist umfassend, neben dem ganz gewöhnlichen Haareschneiden und Färben geht es von Haarverlängerungen über Kosmetik bis zur Nagelpflege.

 

 

Ramon Grimm, das Schöne an deinem Geschäft ist die gute Laune, die bei euch herrscht. Auch wenn du nicht hier bist, ist immer viel Respekt und Freundlichkeit unter den Angestellten zu spüren.

Ramon Grimm: Es ist halt auch ein Beruf, der Freude spendet. Eine hübsche Frisur macht die Menschen zufrieden, was auf uns abfärbt im Wortsinn. Und in erster Linie, aber das ist bei allen Berufen so, muss man Freude haben daran. Ich versuche den Mitarbeitenden Wertschätzung entgegenzubringen. Und ich bin selbst viel hier. Wie du siehst kann man auch das Vorurteil vergessen, der hohe Frauenanteil sei ein Problem. Im Gegenteil. Im Übrigen ist es ein idealer Beruf für die Teilzeitarbeit, zum Beispiel auch am Samstag. Ideal für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder auch für Wiedereinsteigerinnen.

Du hast immer viele Lehrlinge?

Ramon Grimm: Ja. Aber die Situation hat sich in den letzten Jahren massiv geändert. Vor 10 Jahren hatte ich noch 200 Bewerbungen, vor 5 Jahren noch 50 und heute sind es 10. Ich würde gerne viel mehr junge Leute ausbilden. Das Lehrlingsproblem haben nicht nur die Coiffeure, sondern auch andere Branchen. Von den 6 Lehrlingen sind zwei Männer, was bereits viel ist. Normal ist eher ein Anteil von etwa 10 Prozent Männern.

Wenn man die Entwicklung in der Stadt Baden anschaut mit vielen Geschäften, die unter Druck kommen, bist du doch in einer guten Situation.

Ramon Grimm: Viele Probleme liegen im heutigen Einkaufsverhalten, im Onlinehandel. Da bin ich im Vorteil. Mein Handwerk führt man nicht elektronisch durch. Solange es Haare gibt, gibt es unseren Beruf. Er ist ziemlich krisensicher. Ich habe eine grosse treue grosse Stammkundschaft. Aber klar: Die Löhne für die 24 Mitarbeitenden müssen jeden Monat erwirtschaftet werden, ebenso die Miete und das ist nicht immer einfach. Schliesslich gibt es auch Konkurrenz. Zu schaffen machen mir die Billiganbieter mit ihren Dumpingpreisen.

Hast du einen Wunsch an die Politik ?

Ramon Grimm: Eigentlich bin ich nicht dafür, dass die öffentliche Hand sich überall einmischt. Sie soll mir einfach nicht zu viel Steine in den Weg legen. Beispielsweise sollte es einfacher sein, ab und zu eine Reklametafel aufzustellen und die Parkplätze sollten auch nicht so teuer sein, dass die Kunden noch mehr aus der Stadt vertrieben werden. Ich wünsche mir etwas mehr Gewerbefreundlichkeit in der Stadt.

Wie nutzt du die Digitalisierung?

Ramon Grimm: Sie ist ein Vorteil. Die meisten Kunden machen heutzutage den Termin über das Internet ab, das hat viele neue Kunden gebracht. Wichtig ist, dass man flexibel ist. Oft entscheiden sich Kundinnen spontan, dass sie heute noch dringend die Nägel machen lassen wollen. Daneben werbe ich über Social Media, Zeitungsanzeigen und Aktionen für neue Kunden.

Würdest du mich als Lehrling anstellen und wo würdest du mich einsetzen?

Ramon Grimm: Zum Boden Wischen. Termine abmachen. Telefonate abnehmen. Kundinnen unterhalten. Das machst du ja sowieso dauernd. Ich glaube, das könnte ich verantworten. Oder eine Farbberatung für Fingernägel abgeben. An die ganz schwierigen Haarschnitte könnte ich dich nicht ranlassen…Haare waschen vielleicht noch…

 

Boden wischen/Bestellungen entgegennehmen/Nagelfarbeberatung