08.02.2020 / Ich chome verbii / /

Villiger Entsorgungssysteme. Ein Wirtschaftsjuwel im Freiamt.

Wertstoffsammlung und Abfallentsorgung wandeln sich stark. Nach wie vor wird zwar der Haushaltkehricht vor der eigenen Türe abholt, doch der Wandel ist unabsehbar.

Heute heisst mein Gesprächspartner Paul Villiger von der Villiger Entsorgungssysteme AG in Oberrüti. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Erfinders auf dem elterlichen Bauernhof. Da entwickelte Paul Villiger in den 80-Jahren für „frühe“ grüne Frauen ein Dosensammelsystem und stellte es auch gleich selbst her. Es war der Startschuss einer rasanten Entwicklung zum führenden Anbieter von Entsorgungssystem in Europa und wohl auch weltweit. Paul Villiger hat oberirdische Sammel- und Entsorgungsanlagen ausgetüftelt und schliesslich auch Untergrundsysteme. Heute führt Paul Villiger den Familienbetrieb mit 80 Personen, davon immer fünf Lernende. Die Produkte werden weltweit vertrieben, eine Niederlassung befindet sich in Deutschland und ein verlängerter Arm für die Produktion in Bosnien.

Wertstoffsammlung und Abfallentsorgung wandeln sich stark. Nach wie vor wird zwar der Haushaltkehricht vor der eigenen Türe abholt, doch der Wandel ist unabsehbar. Das zeigt sich längst beim Altglas. Dass wir dieses an eine zentrale Sammelstelle bringen, daran haben wir uns bereits gewöhnt. Diese Entwicklung zeichnet sich nun auch beim Haushaltkehricht ab. Es bedingt zwar ein Umdenken, doch die Vorteile sind nicht zu unterschätzen. Paul Villiger hat oberirdische Sammel- und Entsorgungsanalagen ausgetüftelt und schliesslich auch Untergrundsysteme. Dort kann der Abfall jederzeit entsorgt werden. Man muss ihn weder lagern noch auf die wöchentliche Kehrichtabfuhr warten. Diese zentralen Systeme sind:

Kostengünstiger: sie ersparen die personalintensiven Fahrten von Haus zu Haus.

Umweltfreundlicher: Weniger Fahrten fallen an, C02 wird gespart.

Ungefährlicher: Früher wurde in Sackgassen rückwärtsgefahren, was zu zahlreichen Unfällen geführt hat. Das ist zwar heute verboten, dafür stehen überall Container an den Strassenecken.

Ästhetischer: Eine unterirdische Anlage ersetzt die zahlreichen, teilweise hässlichen Container.

Platzsparend: Die Anlagen stehlen keine wertvollen Quadratmeter.

Effizienter: Mit dem Kran können in fünf Minuten mehrere Kubikmeter geleert werden.

Sauberer: Katzen, Füchse, Hunde etc. können den Kehricht nicht plündern und verstreuen. Auch die Geruchsemmissionen in der Nähe der Häuser entfallen.

Nicht erst seit Einführung der Unterfluranlagen ist die Villiger AG in der Schweiz zu einem führenden Partner für Gemeinden, Städte oder Genossenschaften geworden. Auch Projektplaner von grossen Siedlungen oder Unternehmen setzen auf saubere und effektive Lösungen. Ein Beispiel ist die «Suurstoffi» in Rotkreuz, wo neu rund 5 000 Personen leben. An jeder Haustüre einen Container aufzustellen, ist ineffizient. Die Villiger Entsorgungssysteme AG schlug deshalb eine zentrale Station vor. Die Bewohner verfügen über eine Karte, mit der sie die Station öffnen und ihren Abfall deponieren können. Zuerst wird er gewogen, dann in eine unterirdische Pressanlage geführt und zum Abtransport mit einem Lift hinaufgefahren. Der Abtransport erfolgt alle 5 Wochen, was günstiger ist als die bisherige Kehrichtsammlung. Aber auch ökologischer, denn die zentralen Entsorgungsstellen funktionieren als Zwischenstation, ersparen weite Wege und vor allem CO2, weil weniger Transporte anfallen. Es durften bis jetzt schweizweit über fünfzig solcher Anlagen installiert werden. Die Villiger Entsorgungssysteme AG ist zu einem globalen Player für Gesamtlösungen im Bereich Entsorgung geworden. Ein Wirtschaftsjuwel im Freiamt, von dem ich beeindruckt bin.

Mit den Unterfluranlagen hatte Paul Villiger aber noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. So wurden bald einmal mobile Reinigungsanlagen entwickelt, damit die Gesamtlösung komplett ist. Denn sauber bleibt nur, was sauber gehalten wird.

Und wie kommt ein Unternehmen aus dem Freiamt zu Aufträgen aus der ganzen Schweiz? Vieles läuft über Ausschreibungen der öffentlichen Hand. Allerdings ist das nicht immer ganz einfach, da die kurzfristigen Kosten oft im Vordergrund stehen und Nachhaltigkeit leider wenig gewichtet wird. Dabei hat es sich gezeigt, dass viele Mitbewerber wieder aus dem Markt verschwunden sind, weil sie ungenügende Qualität geliefert haben, die Anlagen nach kurzer Zeit wieder demontiert werden mussten. Die vermeintlich günstige Lösung wird so doch viel teurer (Villigers Kunden erhalten sieben Jahre Garantie, wenn sie auch die Wartung in Auftrag geben). Denn, so Villiger, wenn jemand ein Auto kaufe, so sei doch auch nicht ausschliesslich des tiefen Preises ausschlaggebend und dass der Service gemacht werden müsse, sei auch allen klar.