07.10.2010 / Verbindlich / /

Pressefreiheit à la carte

Wer zahlt, befiehlt! Ausgerechnet in einer Zeitung mit dem symbolträchtigen Namen „Bote der Urschweiz“ wird die Verfassung auf die Probe gestellt. Es geht um die Pressefreiheit und darum, dass sich eine Redaktion weder vom Staat, noch von Einzelpersonen noch von Verbänden und Parteien vorschreiben lassen sollte, was sie abdruckt.

Nicht, dass ich so naiv bin, zu übersehen, dass gewisse Medien zu Proklamationsorganen von Parteien mutiert sind. Nicht, dass ich so naiv sein wollte zu glauben, Medienschaffende seien frei in ihrem Tun. Sie müssen sich nach den politischen Präferenzen ihrer Vorgesetzten richten. Und diese wiederum richten sich nach den politischen Präferenzen derjenigen, welche ein Medienunternehmen finanziell über die Runden bringen, unter anderem auch mit Inseraten.

Doch diese Unterstellungen mache ich selbstverständlich nur hinter vorgehaltener Hand. Denn wie könnte ich mehr als nur vermuten, dass Grossinserenten in Zeitungen eine mildere Beurteilung durch Journalisten erfahren als andere? Wie könnte ich mehr als nur behaupten, dass Parteien, welche immer wieder teure Abstimmungskampagnen finanzieren, durch die Medien belohnt werden?

Nun lese ich in der Schwyzer Tageszeitung „Bote der Urschweiz“ einen Artikel über eine SVP-Parteiveranstaltung zur Ausschaffungsinitiative.  Darin wird von eindrücklichen Referaten und umfassender und äusserst kompetenter Information einzelner SVP-Protagonisten gesprochen. Daneben eine Meldung der Redaktion, welche klarer nicht sein könnte: „Die SVP hat darauf bestanden, die Medienmitteilung ihrer Parteiveranstaltung „ungekürzt und unverändert“ veröffentlicht zu sehen. Die Partei macht das Schalten von Inseraten davon abhängig.“

Die Offenheit der Schwyzer Journalisten ist zu loben. Wer deklariert schon freiwillig Erpressung. Ihr Mut alteidgenössisch: „Wir behalten uns jedoch grundsätzlich vor, Zusendungen von Parteien nach unserem Gutdünken abzudrucken.“

Jawohl, lieber Bote der Urschweiz, wir haben eure Botschaft gehört: Wer zahlt, befiehlt trotzdem nicht! Wir sagen es mit Schiller: Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben!  Bravo!

Wie wollte ich mehr als nur behaupten, dass die Erklärung der Urschweizer ein dringlicher Versuch ist, auf Druck und Abhängigkeiten aufmerksam zu machen, welche in der Medienlandschaft offenbar existieren? Wie wollte ich mehr als nur vermuten, dass dieser Erpressungsversuch der SVP Schwyz die äusserst skandalöse Ausnahme ist, welche die Regel bestätigt?

Die Frage, ob der „Bote der Urschweiz“ einen Einzelfall darstellt, können mir ausschliesslich weitere beherzte Medienschaffende beantworten.  Man soll mich aufklären. Ich bin gespannt.